Die Online-Kulturzeitung für Stuttgart und Umgebung


Durchblick (1): Kochen mit Beethoven

Lesezeit: < 1 Minute

Eine der bekanntesten Kompositionen Ludwig van Beethovens heißt „Die Wut über den verlorenen Groschen“. Experten bezweifeln die Echtheit des Titels, hinterließ Beethoven doch bei seinem Tod sieben Aktien im Wert von jeweils eintausend Gulden. Warum hätte er sich da über einen verlorenen Groschen ärgern sollen? Zwei seiner Aktien sind derzeit in der Beethoven-Ausstellung der Bundeskunsthalle zu sehen, wo der Besucher darüber hinaus Gelegenheit hat, von einem Block Beethovens Lieblingsrezept abzureißen und nach Hause mitzunehmen, um es bei Verlangen nachzukochen: Brotsuppe.

Vor einigen Jahren schon lud die Familienbildungsstätte des Bonner Beethovenhauses zu lehrreichen, nahrhaften Abenden unter dem Motto „Beethovens Kocherey“. Noch etwas länger ist es her, dass der Kulturphilosoph George Steiner scharfsinnige Überlegungen zu „Real Presences“ anstellte. Wo aber befindet sich die Realpräsenz eines musikalischen Kunstwerks? Die Realpräsenz, Sie werden sich erinnern, ist das, was Katholiken und übrigens auch Lutheraner von reformierten Protestanten trennt: Ist das Brot wie der Herr, ist das Brot der Herr, wenn man das Brot isst? Oder eben die Brotsuppe.

Herr van Beethoven war in seinen späten Jahren ein leutseliger Gastgeber, kochte selbst den Kaffee und erläuterte gern die Funktionsweise seiner Kaffeemaschine. Etwas anderes als Kaffee konnte er nicht kochen. Als er es trotzdem versuchte, misslang ihm dies wie die Reprise in der Eroica. Die Gäste baten verlegen um belegte Brote. Immerhin, sie wurden nicht mit Eiern beworfen wie Beethovens Köchin, wenn der Meister wütend war. Die neuere Forschung geht deshalb davon aus, dass die eingangs erwähnte Komposition in Wirklichkeit „Die Wut über die verlorenen Eier“ hieß.

Ute Harbusch


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Aktuelle Beiträge

  • Donaueschingen: Rückbesinnung auf Klang, Stille und Analoges
    Seit drei Jahren leitet Lydia Rilling die Donaueschinger Musiktage. 2026 sei das Festival noch eine Spur bunter, offener und weiblicher geworden, so unsere Autorin Susanne Benda.
  • Reise im knallgelben Container: „Struktur Stammheim“
    Der Regisseur Tobias Dusche schuf in Kooperation mit der Akademie für gesprochenes Wort das Hörstück „Struktur Stammheim“ über Gewaltenteilung, Demokratie sowie Freiheit und Sicherheit. Unser Autor Holger Schneider hörte zu, im von Peter Weigand entwickelten „HörKiosk“ (Bild). 
  • Tanz in der Rampe: Auto-Erotik neu definiert
    Auto-Erotik kann man unterschiedlich verstehen. Im Theater Rampe ist tatsächlich ein Fahrzeug im Spiel, wenn der Choreograf Fabrice Mazliah zeigt, was er unter „Carnoid“ versteht. Unheimlich ist das, findet unsere Autorin Angela Reinhardt.
  • Erstaunlich: Internationaler Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart
    Mit dem Preisträgerkonzert ging der Internationale Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart der Hugo-Wolf-Akademie (IHWA) zu Ende. Jürgen Hartmann berichtet über Programm, Niveau und darüber, dass die Jury zwar alle Finalisten bedachte, aber den zweiten Preis ausließ.
  • Joosten Ellée bleibt beim Podium Esslingen
    Der Geiger und Dramaturg Joosten Ellée ist seit 2021 Künstlerischer Leiter beim Podium Esslingen und bleibt entgegen früheren Ankündigungen weitere drei Jahre auf seinem Posten. Über die Gründe dafür und die Perspektiven für das 2009 gegründete Kammermusikfestival sprach er mit Jürgen Hartmann.