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Wie war’s beim „Traum von Land“ des Podium Festivals?

Lesezeit: 2 Minuten

Ein Wandelkonzert in der Galerie der Stadt Esslingen, der Villa Merkel, veranstaltete das Podium Esslingen in seinem diesjährigen Festival. Ute Harbusch überließ sich dort der Kunst wie der Musik und berichtete Petra Heinze davon.

Petra Heinze: Liebe Ute, du wandeltest in zwei Ausstellungen der Villa Merkel, die das Podium Esslingen mit Musik bespielt hat. Hat sie sich tatsächlich mit der Kunst verbunden?

Ute Harbusch: Angetreten sind die Macher:innen mit dem Anspruch, eine Verklanglichung der Ausstellung herzustellen und nicht nur ein Konzert im Kunstmuseum, wie der künstlerische Leiter Joosten Ellée in der Einführung sagte. Sie haben die Musikstücke also dezidiert im Bezug auf die Kunstwerke ausgesucht.

Petra Heinze: Hat sich diese dramaturgische Idee für Dich auch klanglich erschlossen oder hast du eigene inhaltliche Zusammenhänge hergestellt?

Ute Harbusch: Beim gleichzeitigen Wahrnehmen von Musik und Kunst kann ich ja gar nicht anders, als nach Verbindungen zu suchen. Das ist bei einer Passion in einer barocken Kirche genauso. Hier wusste ich beispielsweise, dass die Arbeiten der chilenisch-peruanischen Künstlerin Ivana de Vivanco sich mit dem Lithium-Abbau in der Atacama-Wüste beschäftigen. Also höre ich in der Musik Gewalt und Zerstörung oder Trauer über einen Verlust.

Petra Heinze: Was war der Abend für ein Erlebnis?

Ute Harbusch: Ich fand es sehr vergnüglich. Nina Fukuokas „Waterfalls“ und Luis Fernando Amayas „Que del mar saliste“ hörten wir in einer statischen Konzertsituation: ein Raum, ein Kunstwerk, davor die Musiker:innen und davor das Publikum. Dann begann das eigentliche Wandelkonzert. Wir konnten über beide Stockwerke ausschwärmen und gerieten so auch in Lukas Jakobs Sammlung „Anti Heroes“. Dabei hörten wir gleichzeitig drei weitere Musikstücke von Jenni Brandon, Karen Tanaka und Yuri Umemoto, zwei von ihnen erst in den letzten Jahren komponiert, eines 1988. So konnte ich den Klängen nachgehen: Wo ist denn die Klarinette? Oder an einer Station haltmachen und mich hierauf konzentrieren. Oder das gleichzeitige Tönen aus allen möglichen Richtungen genießen. Wie eine Rattenfängerin sammelte uns die Hornistin zum Schluss wieder im Lichthof, wo ein romantisches Trio von Mel Bonis erklang.

Petra Heinze: Und wie waren die Musiker:innen?

Ute Harbusch: Hierauf kann ich nur schwer eine Antwort geben. Ich war zu beschäftigt, als dass ich mich allein auf die musikalische Darbietung hätte fokussieren können. Die jungen Musiker:innen haben ihre nicht leichten Soli souverän und mit großer Ernsthaftigkeit präsentiert – wobei ich gar nicht alle gehört habe, die Cellistin habe ich leider verpasst. Mel Bonis Trio „Scènes de la forêt“ erklang schwungvoll und virtuos – aber hierzu schaute ich mir grade Fotos und eine Installation zum Thema Wald an und konnte der Musik nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. So war es eher das Erlebnis als Ganzes, die Verbindungen und Überschneidungen, die die Qualität der Veranstaltung ausmachten. Und das fand ich gelungen.

Petra Heinze: Wenn du die Chance gehabt hättest, an diesem Konzept mitzuwirken, was hättest du eingebracht?

Ute Harbusch: Mehr akustische Pausen. Wegen eines kleinen Zwischenfalls während unserer Vorführung hatten wir eine gute Viertelstunde Zeit, uns durch die Ausstellung zu bewegen und die Kunstwerke ohne Musik anzuschauen. So kamen auch diese zu ihrem Recht. Und beide Künste in ein Gleichgewicht. Ton- und Bildende Kunst standen zwar fraglos in einem inhaltlichen Dialog. Doch ohne diese zufällig entstandene Pause hätten die Kunstwerke lediglich wie eine Bühne für die Musik gewirkt.   

Foto: Ute Harbusch


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