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Wie war’s bei „Oh, die Frauen“ mit dem Philharmonia Chor?

Lesezeit: 3 Minuten

Mit Musik von der Renaissance bis heute huldigte der Philharmonia Chor im Weißen Saal des Stuttgarter Schlosses den Frauen. Hinzu kamen Texte, Solo-Gesang, ein Klavier und sogar Szenisches. Ute Harbusch war dabei und erzählte Petra Heinze davon.

Petra Heinze: Liebe Ute, Du warst bei einem ‚musikalisch-literarischen Recital‘ zum Thema Frauen. Wie war das gebaut?

Ute Harbusch: Wir haben in knapp eineinhalb Stunden eine unglaubliche Menge geboten bekommen: Chormusik von der Renaissance über Romantik und Impressionismus bis zum Spiritual, vorgetragen a cappella, als Sprechchor oder mit Klavier, dazu Solo-Gesang, Rezitation, Klavier solo und sogar szenische Elemente. Die Vielfalt der Formate war abwechslungsreich, aber die musikalischen Sprachen und inhaltlichen Positionen blieben nebeneinander stehen. Es war eine unterhaltsame Revue.

Petra Heinze: Gab es auch Texte und Musikstücke von Frauen?

Ute Harbusch: Die waren leider deutlich in der Minderheit. Bei der Musik standen zwei Komponistinnen elf Komponisten gegenüber, bei den Texten fünf Autorinnen (Gisela Baltes, Djuna Barnes/Coco Chanel, Mascha Kaléko, Luise von Plönnies) neun Autoren, wobei die englische Frauenrechtlerin Ethel Smyth mit ihrer berühmten Hymne der englischen Frauenrechtsbewegung sowie Brief- und Interviewzitaten für beide Genres stand. Als zweite Komponistin war Mel Bonis mit zwei Klavierskizzen vertreten. Dafür waren, neben dem Chorleiter, die Solistinnen allesamt Frauen.

Petra Heinze: Du sprachst von szenischen Elementen. Was war da zu sehen?

Ute Harbusch: Zu Smyths „The March of Women“ kamen die 18 Damen des Chors mit selbstgemalten Demo-Plakaten für mehr Gleichberechtigung durch den Saal auf die Bühne marschiert und brachten ihre Forderungen stimmlich wie gestisch überzeugend zum Ausdruck. Eine solche Haltung habe ich bei den vollkommen ironiefrei vorgetragenen Liedern aus Schumanns „Frauenliebe und -leben“ schmerzlich vermisst.

Mein Highlight war Kathrin Isabelle Kleins Darbietung von Moritz Eggerts „One Woman Band“ für Klavier von 2020, wobei die Interpretin neben dem Klavierspiel noch singen, den Rhythmus mit den Füßen klopfen, Haushalt, Kind und Mann versorgen und Tee kochen musste – Multitasking, das saß!

Petra Heinze: Wie kamen der Dirigent Johannes Knecht und sein Chor mit der Stückauswahl zurecht?

Ute Harbusch: Mein Chor-Höhepunkt waren vier von Brahms‘ Liebeslieder-Walzern, besonders „Wenn so lind dein Auge mir“, das auch als Zugabe nochmal kam. Das war plastisch, kultiviert, makellos. Sehr schön war auch die Klang-Balance im Silcher-Satz von „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“. Gelegentlich hat mir in den hohen Sopranen und Tenören der Glanz gefehlt, bei Ravel und Debussy die französische Leichtigkeit. Aber die Präzision des Chores war bewundernswert.

Petra Heinze: Wie waren die Solistinnen?

Ute Harbusch: Kathrin Isabelle Klein glänzte nicht nur als Solistin, sondern war auch (bei Brahms zusammen mit Junko Yamamoto) eine flexible Begleiterin. Sie unterstützte die Sängerin Gabriele Lesch bei den erwähnten Schumann-Liedern und zwei Chansons von Hollaender und Kreisler. Allerdings waren die Lieder weder innig empfunden noch die Chansons verrucht, den Vortrag der Mezzosopranistin fand ich blass. Die Sprecherin Diana Gantner hatte einen lebendigen, kessen Ton und überzeugte vor allem mit den satirischen Texten.

Petra Heinze: Wenn Du dieses Konzert erneut besuchen dürftest, was würdest Du Dir zusätzlich wünschen?

Ute Harbusch: Noch weitere Elemente bräuchte das an sich sehr schöne Format bestimmt nicht, höchstens mehr Konzentration. Doch: Mehr Chor statt Sologesang würde ich mir wünschen, und zwar einen Chor, der nicht allein auf kontrollierte Schönheit setzt, sondern mehr Ausgelassenheit und – bei diesem Programm allemal – Erotik wagt.

(Von links nach rechts:) Kathrin Isabelle Klein, Junko Yamamoto, Johannes Knecht, Gabriele Lesch und Diana Gantner

Fotos: Sandra Petrucci


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