Zu den Vermittlungsbemühungen von Veranstalter:innen gehört inzwischen öfter ein Come together für Ausführende und Zuhörer:innen nach dem Konzert. Das funktioniert nicht immer, weiß Petra Heinze.
Leider ist es schon eine Weile her: Die besten Parties mit den verrücktesten Dialogen waren in meiner Student:innenzeit immer die mit akutem Platzmangel. Beispielsweise fanden sich mal 20 Geburtstagsgäste in meiner Baldhamer Acht-Quadratmeterküche ein, weil im Wohnzimmer Annegret und Manfred lautstark ihre Beziehung aufarbeiteten. Da es in der Küche hoch her ging, habe ich keinen Zimmertausch angeregt. Heute würde ich solche Stresspaare wahrscheinlich rausschmeißen, aber damals war ich jung, nicht sonderlich selbstsicher, und außerdem sprach das Ergebnis für sich.
Heute gibt es manchmal eine Art Party nach dem Konzert. Das Publikum wird eingeladen, bei einem oder zwei geistigen Getränken das Gehörte zu besprechen und dies nicht nur untereinander, sondern sogar mit den Ausführenden. Für das Publikum ist das eine tolle Sache: Kein Palaver mehr, wo man nach dem Konzert hingeht, keine erneute Parkplatzsuche, stattdessen eine Verlängerung und Vertiefung des Konzerterlebnisses und vielleicht sogar ein Gespräch mit der schönen Sänger:in.
Verständliche Bedürfnisse, Enttäuschte Erwartungen
Für die Sänger:in war der Abend aber Schwerstarbeit und ein Gläschen Wein im Anschluss wäre zwar schön, aber nicht unbedingt mit wildfremden Menschen. Die schauen einen erwartungsvoll an, so dass man sich weiterhin wie auf der Bühne fühlt. So müssen die armen Veranstalter:innen leider oft feststellen, dass sich ihre Schützlinge klammheimlich aus dem Staub gemacht haben, um irgendwo unbeobachtet an die „Tränke“ zu gehen, wie mein Freund Jürgen zu sagen pflegt.
Meist besucht man ja Konzerte mit Freund:innen oder Bekannten, die man nicht jeden Tag sieht. Das führt dazu, dass das Konzerterlebnis nach spätestens fünf Minuten in den Hintergrund gedrängt wird, etwa weil ein neues Enkelkind angekommen ist und nun ausführlich im Smartphone bewundert werden muss. Bei meinem letzten Ereignis dieser Art kam tatsächlich eine Geigerin zu uns an den Tisch. Sie hatte alleine das Konzert besucht und wollte sich nun fachfraulich über das Gehörte austauschen. Leider waren meine Freundin und ich ein wenig schmallippig, weil wir gerade darüber sprachen, wie sich dieser unmögliche Hermann bei ihrem letzten Datingversuch benommen hat.
Die Lösung: Den Mangel verwalten
Aber es gibt eine Lösung! Sie ahnen es vielleicht schon: Sie hat mit Platzmangel zu tun. Bei Musik der Jahrhunderte im Theaterhaus gibt es die Konzertreihe „Südseite nachts“. Im großen Probensaal der Neue-Musik-Institution auf der Südseite des Theaterhauses finden experimentelle Kammerkonzerte statt. Anfangs war im kleinen Probensaal eine Bar für hinterher aufgebaut, aber wohin dann mit dem ganzen Equipment? Also wurde daraus nach und nach eine rollende Bar, die in das kleine Foyerchen zwischen den beiden Sälen geschoben wurde.
Und dort ist es so eng, dass sich die Musiker:innen nicht unbeobachtet vertschüssen können und einfach dableiben. Bei solcher Nähe können sie auch kaum noch angestarrt werden und irgendwie fällt es mir leicht, mit dem netten Sänger zu sprechen, wenn der sowieso schon unwillkürlich seinen Ellenbogen in meiner Bauchgegend parkt.
Foto: Rüdiger Schestag


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