Dieser Text unseres Beiratsmitglieds Matthias Koerber gab uns den Anstoß, über das Verhältnis von Publikum und Kulturschaffenden nachzudenken und unsere sommerlichen Texte dem Thema „Dialoge“ zu widmen. Matthias legt das Thema unter das Brennglas persönlicher Erlebnisse.
Zugegeben, ich habe nicht so viel Ahnung von Musik und Literatur. Ich habe das nicht studiert. Aber ich höre und lese gern, und das in unterschiedlichen Sparten.
Leider habe ich den Eindruck, dass das von der Fachwelt nicht geschätzt wird, auch wenn ich Eintritt zahle und Bücher kaufe.
Beispiel 1. Ein befreundeter Fotograf lädt zur Einweihungsfeier in einem Studio, das er mit zwei Musikern teilt. Ich komme ins Gespräch mit einem Instrumentalisten, der mit diesen Musikern schon Platten aufgenommen hat, erzähle von einem gemeinsamen Freund aus dem privaten Umfeld. Bis er fragt: „Bist du auch Musiker?“. Nachdem ich antworte: „Nein, aber ich kaufe deine Platten“, dreht er sich weg.
Beispiel 2. Eröffnungskonzert bei Eclat, Musik der Jahrhunderte. Ich stehe beim Empfang nach dem Konzert mit den Autorinnen der Kesseltöne am Tischchen. Kommt eine Journalistin, die ich natürlich nicht kenne. Man unterhält sich nett, ich gebe meinen Senf zum Konzert, bis sie mich fragt: „Schreibst du auch?“. Nachdem ich verneine, spricht sie nicht mehr mit mir.
Beispiel 3. Jazzkonzert in der Kiste. Das Publikum ist begeistert. Neben mir ein junger Mann (auch er ist Musiker), mit dem ich mich gut darüber unterhalte, wie er oder ich die Band finden, bis er mich fragt: „Wie fandest du die base drum des Schlagzeugers?“. Ich: Was ist base drum? Er geht auf Toilette.
Warum ignoriert ihr mich, nur weil ich nicht vom Fach bin? Ihr lebt doch davon, dass ich eure Musik höre und meine Begeisterung – oder auch nicht – weiterverbreite?
Foto: Petra Heinze


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