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Dan Ettinger: Wir wollen doch nicht nur zu Hause sitzen

Lesezeit: 2 Minuten

Foto: Jürgen Altmann

Mit einer neu konzipierten Reihe von Sommerkonzerten trotzen die Stuttgarter Philharmoniker Corona im Gustav-Siegle-Haus und im Beethovensaal der Liederhalle. Susanne Benda hat den Chefdirigenten des Orchesters, Dan Ettinger, getroffen und ihn gefragt, wie er die aktuelle Situation erlebt.

Susanne Benda: Herr Ettinger, was haben Sie in den letzten drei Monaten gemacht?

Dan Ettinger: Gekocht! Viel gekocht! Ich habe endlich entdeckt, dass ich kochen kann. Wie viele Künstler haben ich sonst fast immer auswärts gegessen. Das war jetzt ein ganz neues Erlebnis, und ich habe fast jeden Tag neue Rezepte entdeckt: arabische, japanische, alles.

Susanne Benda: Sie haben sich nicht mit Musik beschäftigt?

Dan Ettinger: Der März und der April waren traumatisch. Ich musste die Kunst beiseiteschieben. Sonst wären meine Sorgen übergroß geworden. Thomas Hampson hat mir zu Beginn der Corona-Krise gesagt, er habe sich spontan entschlossen, ein Sabbatjahr zu nehmen. Das finde ich klug, weil man dann nicht dauernd denkt, o Gott, gleich kommt bestimmt wieder eine Absage, und darüber womöglich depressiv wird. Oder verrückt. Zurzeit hat ja niemand eine klare Perspektive. Ich habe in meinem Leben noch keinen Pfennig mit etwas verdient, das nicht Musik war. Was mache ich, wenn ich nicht mehr Musik machen kann? Das ist meine größte Angst, und plötzlich ist sie Realität geworden.

Susanne Benda: Bekommen Sie immer noch viele Absagen?

Dan Ettinger: O ja. Gerade vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass Covent Garden diese Saison nicht öffnet, dass ich dort also auch nicht im Oktober und November Puccinis „Turandot“ dirigieren werde. Ich kann das jetzt annehmen, weil ich mich innerlich so programmiert habe. Wobei ich schon sehe, dass es mir vergleichsweise gut geht. Ich bin abgesichert, muss mir noch keine finanziellen Sorgen machen.

Susanne Benda: Immerhin geht bei den Philharmonikern jetzt eine Tür auf. Sie musizieren demnächst vor 250 Zuhörern, ab Anfang August werden es 500 sein.

Dan Ettinger: Wenn die Infektionszahlen es zulassen.

Susanne Benda: Wer hat die aktuellen Programme der Stuttgarter Philharmoniker konzipiert?

Dan Ettinger: Die Musiker selbst haben viel mitgebracht, ich auch etwas. Wir haben noch nie so schnell Konzerte organisiert wie jetzt. Da wir nicht wissen, was morgen passiert, kann es natürlich passieren, dass wir unsere Pläne wieder ändern müssen. Aber wir wollen doch nicht nur zu Hause sitzen und dafür unser Gehalt von der Stadt bekommen. So sind wir einfach nicht. Die Musiker wollen unbedingt spielen. Es war ihre Idee, in dieser Saison noch einmal in der Liederhalle aufzutreten.

Die nächsten Sommerkonzerte der Stuttgarter Philharmoniker finden am 7., 11. und 14. Juli im Gustav-Siegle-Haus und am 27. Juli in der Liederhalle statt. Karten unter Tel.: 0711 216 88 990.


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