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Ute Harbusch (Foto von Victor Brigola)

Wie Ute Harbusch zur klassischen Musik kam

Lesezeit: 2 Minuten

Foto: Victor S. Brigola

In unserer Sommerserie verraten die Kesseltöne-Autoren etwas aus ihrem Leben.

Nicht ich kam zur klassischen Musik, sondern die klassische Musik kam zu mir. Genau genommen, war sie immer schon da gewesen. Beide Eltern hatten beruflich mit Musik zu tun, mit der klassischen. Wir besaßen, von Abba, den Bläck Fööss, den Beatles und den Comedian Harmonists abgesehen, nur klassische Platten, „Switched on Bach“ und „The Swingle Singers“ lagen irgendwo zwischen E und U. Im Radio liefen SDR 2, mit den drei Knaben aus der „Zauberflöte“ als Pausenzeichen, oder WDR 3. Sonntags zum Frühstück brachte das Radio Bachkantaten, die schmecken seitdem nach weichen Eiern.

Zusammen mit meiner Schwester ging es zum Kinderchor, zum Blockflötenunterricht, zur Singwoche. „Große Glock’ ruft vom hohen Himmel: Sei doch still, dumme kleine Bimmel“ haben wir im Foyer eines fränkischen Landschulheims gelernt, ich saß oben auf der Treppe, der ganze große Raum war voller Gesang. Seitdem liebe ich Kanons.

Alle aus meiner Familie spielen Klavier und mindestens noch ein weiteres Instrument. Hausmusikalischer Höhepunkt war Webers „Aufforderung zum Tanz“, und zwar achthändig, als nämlich der Flügel und das Klavier für kurze Zeit zusammen im Wohnzimmer standen. Irgendeiner hat immer geübt, und „Fis, fis“ rief es aus der Küche, wenn ich trotz G-Dur F griff. Jetzt noch spiele ich leidenschaftlich gern vierhändig, wenn ich mit einem Mitglied der inzwischen über die Republik verteilten Herkunftsfamilie zusammentreffe. So dass sich bewahrheitet hat, was meine Eltern predigten, wenn ich keine Lust zum Üben hatte: „Du wirst später dafür dankbar sein.“ Was mir damals wenig geholfen hat.

In der zwölften Klasse dann mein erstes richtiges Sinfonieorchester! Dank eines Schüleraustauschs durfte ich ein Jahr lang die Interlochen Arts Academy in Michigan besuchen. Zur Schuljahrseröffnung spielten wir den Walzer aus der „Schwanensee“-Suite. Ich saß am letzten Pult der Celli, vor den Posaunen, und als die Musik losging, war es um mich geschehen. Der ohnehin unlesbare Tenorschlüssel verschwamm mir vor den Augen und ich habe nur noch zugehört.


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