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Sternstunde: Das Ensemble Il Rosario bei Stuttgart Barock

Lesezeit: 2 Minuten

Das biennal vom Musikpodium Stuttgart ausgerichtete Festival Stuttgart Barock ist mit „Magisches Florenz“ überschrieben. Ute Harbusch besuchte dort jedoch ein Konzert des Ensembles Il Rosario, das mit Barockmusik aus Innsbruck beglückte.

Durch diverse Hochzeiten zwischen den Habsburgern und den Medici wurde der Innsbrucker Hof im 17. Jahrhundert zu einem transalpinen Nebenschauplatz Florentiner Kunst- und Prachtentfaltung und vor allem zu einer Drehscheibe zwischen der süddeutsch-österreichischen und der italienischen Musik.

Barocke Violinsonaten brachten diesen historischen Moment in einem programmatisch wie interpretatorisch großartigen Konzert zum Klingen. Der Geiger Daniel Sepec war der Held des Abends und hatte doch selbst ein Star-Aufgebot um sich: Hille Perl an der Gambe, Lee Santana an Gitarre und Theorbe, Michael Behringer an Orgel und Cembalo. Zu viert nennen sie sich Il Rosario, weil eine preisgekrönte Einspielung von Bibers Rosenkranz-Sonaten sie vor 17 Jahren zusammenbrachte. Das jüngste gemeinsame Projekt ist die Gesamtaufnahme des Violinwerks von Giovanni Antonio Pandolfi Mealli (1630-1670).

Von Mealli und Giovanni Buonaventura Viviani (1638-1693) hörten wir Hochvirtuoses für die Violine, das nicht von ungefähr dem Stylus phantasticus zugerechnet wird. Beide Komponisten wirkten in Innsbruck und bestechen durch den nie versiegenden Ideenreichtum ihrer Musik. Häufige Taktwechsel und Dreier-Rhythmen machen sie lebendig und tänzerisch, Chromatik und Moll melancholisch, brillante Einfälle witzig. Für jede seiner Sonaten erfindet Mealli eine andere Schlusspointe, die neugierig auf die nächste macht.

Kaum hatten wir uns eingehört, führte das Programm zwei Generationen weiter zu Francesco Maria Veracini (1690-1768), der mit fast schon empfindsamen Passagen verzauberte und einem derben Schottentanz überraschte.

Die zweite Programmhälfte weitete den zeitlichen Rahmen zurück in die Vergangenheit. Ohne Sepec brachte das Trio eine Pastorella von Francesca Caccini (1587-1640) zur Aufführung, allein interpretierte Santana Variationen des berühmten Lautenvirtuosen Giovanni Girolamo Kapsberger (1580-1651). Das war in Bezug auf die Besetzung eine willkommene Abwechslung, denn der einzige Einwand, der sich gegen diesen Abend erheben ließe, wäre der, dass er nahezu ausschließlich aus Violinsonaten bestand.

Andererseits leben ja diese selbst von der hohen Kunst der Abwechslung. Das Quartett kostete Steigerung und Zurücknahme, harte Unisono-Akkordschläge wie zartestes Pizzicato bis an die Grenzen, doch nie bis ins Extrem aus. Fahlen Trillern und schwindelerregenden Läufen der Geige bereiteten die Begleiter:innen verlässlichen Grund.

Und das war vielleicht die größte Überraschung des Abends: die erstaunliche Zurückhaltung des Continuo-Trios, das der Geige vor allem Raum und Antwort gab. In traumwandlerischem Einvernehmen wirkten sie wie ein einziges Instrument, allenfalls trat hier einmal ein Liegeton der Gambe, dort ein Rhythmus der Gitarre hervor.

Die Kunst dieser Großen zeigte, dass der persönliche Beitrag zum Gelingen eines Ganzen kein Zurückstecken sein muss. Beglückt und begeistert wie die Rezensentin verließ das zahlreiche Publikum nach dieser Sternstunde die Leonhardskirche und trat in die Mondnacht hinaus.

Foto: Franziska Strauss


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