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Von Stuttgart in die weite Welt: Rigoletti

Lesezeit: 2 Minuten

Sie ist komisch, böse und politisch. „Entspezialisierte Medienartistik“ nennt sie ihre Kunst. Früher hätte man von einem Multitalent gesprochen. Marion Pfaus alias Rigoletti dreht Kurzfilme, schreibt und tritt auf.

Von Petra Heinze

Im Odenwald aufgewachsen, gehörte Marion Pfaus zum ersten Jahrgang, der an der Filmakademie Baden-Württemberg studierte. Schon dort hatten ihre Übungsfilme im Fach Regie eine stark satirische Note. 1992 gründete sie zusammen mit ihrer Kommilitonin Felicia Zeller unter anderem die „Landessexklinik“, ein Internetprojekt, mit dem die beiden „Ärztinnen“ auf spielerische Weise die virtuellen Sexwelten des Internets aufspießten.

Im Jahr 2000 zog Rigoletti nach Berlin. „Hier habe ich angefangen zu schreiben und kam auf die Lesebühnen der Stadt. Mit einem Literaturstipendium des Berliner Senats konnte ich ‚Aus den Memoiren einer Verblühenden‘ schreiben, meinen ersten Roman. Zeitgleich habe ich mir meine erste digitale Kamera gekauft, weil diese Kameras plötzlich erschwinglich waren, und fing an, meine performten Texte zu bebildern.“ Das tut sie nach wie vor und stellt die Ergebnisse auf ihre Website, die vielleicht ihr größtes Kunstwerk ist. Momentan findet man dort beispielsweise einen Einminüter, der plausibel erklärt, warum es dämlich ist, Kamerafrauen zu fragen, ob ihnen die Kamera nicht zu schwer ist. Bereits seit 2011, also schon bevor das Berliner Schloss wieder aufgebaut war, sammelt die Künstlerin Spenden für den „Rückbau 21“ als logische Folge von „Humboldt 21“, der 2050 in einer Schloss-Sprengparty gipfeln soll. Die Autorin dieses Beitrags hat sich auf Facebook zu dem Event angemeldet und hofft sehr, das noch zu erleben.

Stipendien beantragt Pfaus heute nicht mehr: „Ich habe eine Idee und die muss dann sofort umgesetzt werden. Das bezahle ich selber.“ Sie ist als Cutterin sehr gut im Geschäft und fragt sich nur langsam, wann sie mal ausspannen kann. Sie arbeitet momentan an Schnitt und Regie für die dritte Staffel des Podcasts „Caro ermittelt“ auf rbb-Kultur. Caroline Labusch ist eine reale Person, man könnte sie Realsatirikerin nennen. Sie deckt Betrügereien im Netz und am Telefon auf und betrügt auf unterhaltsame Weise die Betrüger:innen zurück, indem sie scheinbar auf deren Finten eingeht. „Caro stellt mittels O-Tönen ihren Gästen im Studio den Fall vor und dann wird debattiert und kommentiert. Dazu gibt es Musikkommentare von Theatermusiker Ingo Günther. Eigentlich sind das dokumentarische Hörspiele“, kommentiert Pfaus das aufwendige Format mit monatelangem Vorlauf.

Und hat sie noch Bezug zum Ländle? „Ich habe noch Freunde aus der Studienzeit, zum Beispiel das Filmemacherinnen-Duo Böller und Brot. Wir treffen uns als Gruppe einmal im Jahr am Bodensee zu einem Seminar für nonlineare Dramaturgie. Dort wird in Wirklichkeit vor allem viel gekocht.“ Einer aus dieser Gruppe hat in dem 36-Seelenort Kleinhöchberg im Rems-Murr-Kreis einen Bauernhof, auf dem man sich ebenfalls immer wieder trifft, um auch dort nicht über nonlineare Dramaturgie zu sprechen.

Videostill „Rückbau 21“: Kamera Sandra Schuck

17. Mai, 20:30 Uhr, Z-Bar, Berlin: Preview vonCaro ermittelt“, Fall 3 http://rigoletti.de


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