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Wie war’s bei „Linie 2“ im Wizemann?

Lesezeit: 2 Minuten

Wussten Sie, dass Frank Zappa bereits vor seiner Karriere als Rockmusiker Orchestermusik komponiert hat? Im Wizemann eröffnete das SWR Symphonieorchester nun seine Konzertreihe „Linie 2“ mit Werken des genialen Grenzgängers. Ute Harbusch und Petra Heinze waren vor Ort.

Petra Heinze: Liebe Ute, einen so ausgelassenen Abend wie dieses „Zappa Experience“ habe ich mit dem SWR Symphonieorchester noch nie erlebt. Was war bei diesem neuen Konzertformat noch anders als gewohnt?

Ute Harbusch: Ausgelassen war auch die Kleiderordnung. Und die Stimmung war wirklich Bombe, im Publikum und noch mehr auf der Bühne. Ungewöhnlich war die Location, das Wizemann, eigentlich ein Club, der aber doch auch immer mal wieder von Stuttgarter Klassikensembles aufgesucht wird. Clubähnlich auch die Tatsache, dass der Dirigent Jonathan Stockhammer von der Bühne moderiert hat, dass wir uns während der Musik unterhalten konnten (sie war laut genug), dass manche ihre Getränke in den Saal mitgenommen haben. Also eigentlich ein Jazz-, Rock- oder Pop-Konzert, nur halt mit dem SWR Symphonieorchester.

Petra Heinze: Mich hat es auch an viele Neue-Musik-Konzerte erinnert, nur ohne deren heiligen Ernst. Die Orchesterwerke von Frank Zappa sind ja anspruchsvoll zu erhören mit ihren vertrackten Taktwechseln. Der Abend war daher für meine Aufmerksamkeitsspanne etwas zu lang. Eigentlich sollte „The Adventures of Greggary Peccary“ als letztes Stück der Höhepunkt des Abends werden, aber für mich war es die Percussion-Orgie (The Black Page) in der Mitte des Programms. Dass man viele Orchestermitglieder mit improvisierten Soli bestaunen konnte, hat mir ebenfalls sehr gefallen. Wie fandest Du als Zappa-Ersthörerin die Musik?

Ute Harbusch: Klasse. Mir gefiel dieser irrsinnige Rhythmus, super komplex und trotzdem mitreißend, und auch die rasanten Unisono-Läufe. Es ist mir ganz und gar unbegreiflich, wie man solche Musik spielen kann. Und mich hat der Enthusiasmus angesteckt, der von der Bühne wehte. Das ist bei Neue-Musik-Konzerten leider eher selten der Fall. Vielleicht war vor dreihundert Jahren etwa so die Stimmung im Saal, wenn die Virtuosen im barocken Concerto vom Leder zogen.

Petra Heinze: Wenn Du das sagst, hat also der Transfer vom Beethovensaal ins Wizemann funktioniert und man darf den SWR beglückwünschen zu dieser neuen Reihe für Stuttgart, die es in Freiburg schon länger gibt. Vielleicht wäre eine konventionelle Pause für Oldies wie mich in der Mitte des Programms noch eine Steigerung und ich hätte den zweiten Teil mehr genossen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Hast Du auch einen Verbesserungsvorschlag?

Ute Harbusch: Sehr gern hätte ich die Orchesterbesetzung erfahren und die Namen derer, die die Soli gespielt haben, vom Geiger über die Posaunistin und den Orgelspieler bis zum Klarinettisten – eine Anregung für den Programmzettel.

Foto: Schnappschuss von der Bühne, die teils ähnlich aussah wie bei einem Jazzkonzert

2 Kommentare zu „Wie war’s bei „Linie 2“ im Wizemann?“

  1. Avatar von Hans- Detlev Hartman
    Hans- Detlev Hartman

    Hallo, ich kann die Einschätzung von Ute Harbusch nur unterstreichen. Bin langjähriger Zappa- Fan und habe diverse Rockkonzerte und auch Orchesterkonzerte mit Zappas Musik sehen und hören können. Ich habe noch nie eine solch gute Stimmung erlebt sowohl auf als auch vor der Bühne. Die wirklich schwierigen Stücke (beispielhaft „The Black page“) wurden mit einer Exzellenz und Klasse aufgeführt und einer Lockerheit, die ich noch nicht erlebt habe. Auch das Jonathan Stockhammer einigen Musikern Gelegenheit gegeben hat zu solistischen Einlagen -die in Zappas Originalpartituren nicht enthalten sind- fand ich sehr passend. Insgesamt gesehen: Ein wirklich gelungener Abend, der meine 700km- Anreise absolut gerechtfertigt hat. Bitte mehr davon!!

    1. Avatar von Klaus Schröder
      Klaus Schröder

      👍👍👍


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