Die Online-Kulturzeitung für Stuttgart und Umgebung


Wie war’s beim Staatsorchester mit Beethovens Vierter?

Lesezeit: 2 Minuten

Foto: Staatsoper Stuttgart

Alle Sinfonien von Ludwig van Beethoven führt das Staatsorchester unter GMD Cornelius Meister bis zu den Sommerferien in kleiner Besetzung im Beethovensaal der Liederhalle auf. Ute Harbusch hat Beethovens 4. Sinfonie gehört und sich mit Petra Heinze darüber unterhalten.

Petra Heinze: Liebe Ute, wie waren die Erläuterungen von Herrn Meister zu Beginn?

Ute Harbusch: Sie waren kurzweilig und charmant vorgetragen. Wir haben Biografisches und Anekdotisches erfahren und einiges über die Musik. Letzteres wurde jeweils mit knappen Musikausschnitten illustriert. Dann folgte die vollständige Aufführung der Sinfonie. Einem Vergleich zu dem, was man seit Monaten im Radio über Beethoven hören kann, konnten die knappen zwanzig Minuten Einführung aber nicht standhalten.

Petra Heinze: Wie war es, mit weniger als 100 Menschen im Beethovensaal zu sein und wie fühlte sich die Nähe zum Orchester an?

Ute Harbusch: Ein Gefühl, privilegiert zu sein, kam nicht auf. Das Improvisierte, die Studio-Atmosphäre drängten sich derart in den Vordergrund, dass ich den Abend gar nicht mit einem herkömmlichen Konzert vergleichen möchte. Orchester und Publikum saßen ebenerdig im Saal, das Publikum diesmal seitlich neben dem Orchester. Hier wird offenbar noch mit der Aufstellung experimentiert. Die räumliche Nähe hat aber keine gefühlte Nähe erzeugt, auf keiner Seite, wie mir schien.

Petra Heinze: Wie klang Beethovens Vierte mit 40 Musikern?

Ute Harbusch: Das ist ja durchaus die Größenordnung, in der sich auch die Orchester der Beethoven-Zeit bewegten. Offen gestanden, kann ich kaum beurteilen, wie das Orchester wirklich klang, denn die Akustik war wegen der fehlenden Bestuhlung extrem hallig und mit der Pauke halb unter der Empore auch dumpf. Es muss ein mörderischer Koordinationsaufwand für jeden einzelnen Musiker gewesen sein, in diesem rhythmisch vertrackten Stück trotzdem zusammenzubleiben, mit meterweitem Abstand zu den Kolleginnen. Das ist auch nicht immer so gelungen wie man das Staatsorchester kennt. Doch einen magischen Moment gab es, in dem alles stimmte: beim Klarinettensolo im zweiten Satz, den Meister zwischen Seligkeit und Humoreske pendeln ließ.

Petra Heinze: Ist das ein Format für die Zukunft, also auch für die Zeit nach Corona?

Ute Harbusch: Darüber nachzudenken lohnt auf jeden Fall. Denn wenn wir gar nichts lernten aus dieser Zeit, sondern einfach zur Tagesordnung zurückkehrten, sobald das geht, das wäre doch schade. Ich denke, am pädagogischen Konzept müsste noch weiter gefeilt werden, und es bräuchte definitiv bessere akustische Bedingungen.

Weitere Konzerte dieser Reihe finden am 21., 22. und 24. Juli statt. Es sind wieder Karten erhältlich. Telefon: 0711 20 20 90.


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Aktuelle Beiträge

  • Wie war’s beim „Traum von Land“ des Podium Festivals?
    Ein Wandelkonzert in der Galerie der Stadt Esslingen, der Villa Merkel, veranstaltete das Podium Esslingen in seinem diesjährigen Festival. Ute Harbusch überließ sich dort der Kunst wie der Musik und berichtete Petra Heinze davon.
  • Sternstunde: Das Ensemble Il Rosario bei Stuttgart Barock
    Das biennal vom Musikpodium Stuttgart ausgerichtete Festival Stuttgart Barock ist mit „Magisches Florenz“ überschrieben. Ute Harbusch besuchte dort jedoch ein Konzert des Ensembles Il Rosario, das mit Barockmusik aus Innsbruck beglückte.
  • Verblüffende Qualität: Das Theater unter den Kuppeln
    Die deutsche Musicallandschaft ist auch durch eine Vielzahl von Amateurbühnen geprägt. Die Spannbreite reicht von begeisterten Schulklassen bis zu Ensembles mit hohem Anspruch wie dem Theater unter den Kuppeln. Angela Reinhardt stellt die Freilichtbühne auf den Fildern vor.
  • Das Frühlingsrätsel: Wer bin ich?
    Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, werde ich 2028 sterben. Dabei bin ich noch gar nicht so alt: 1970 erblickte ich das Licht der Welt am zentralsten Ort Stuttgarts. Gezeugt hatten mich drei Herren, die im Nachkriegsdeutschland einen modernen Kontrast zur historischen Umgebung schaffen wollten.
  • Wie war’s bei „Oh, die Frauen“ mit dem Philharmonia Chor?
    Mit Musik von der Renaissance bis heute huldigte der Philharmonia Chor im Weißen Saal des Stuttgarter Schlosses den Frauen. Hinzu kamen Texte, Solo-Gesang, ein Klavier und sogar Szenisches. Ute Harbusch war dabei und erzählte Petra Heinze davon.