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Wie war’s bei den Phillies mit Filmmusik ohne Film?

Lesezeit: 2 Minuten

Kurze Werke junger Filmmusik-Komponist:innen von der Filmakademie Baden-Württemberg präsentierten die Stuttgarter Philharmoniker unter der Leitung von Frank Strobel im Gustav-Siegle-Haus in großer Besetzung. Ute Harbusch war dabei und sprach mit Petra Heinze darüber.

Petra Heinze: Liebe Ute, du warst auf einem Konzert mit Filmmusik ohne Film. Wie war das gebaut?

Ute Harbusch: Wir durften großes Ohrenkino erleben: sieben mehrminütige Miniaturen von Filmmusik-Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg, eingerahmt von der weltbekannten „20th Century Fox Fanfare“ und „Hedwig’s Theme“ aus den Harry-Potter-Filmen zu Beginn sowie Klaus Doldingers „Tatort“-Erkennungsmelodie zum Schluss. Durchs Programm führte der Intendant der Stuttgarter Philharmoniker, Christian Lorenz. Dank seiner Moderation haben wir nicht nur in Klängen geschwelgt, sondern auch einiges über die Eigenart und Geschichte von Filmmusik gelernt.

Petra Heinze: Wie waren denn die Musikstücke der Filmstudierenden?

Ute Harbusch: Sie waren emotional, ausdrucksstark und packend. Es waren sinfonische Dichtungen auf kleinstem Raum, hergestellt aus den bekannten und bewährten Zutaten eines Soundtracks für großes Orchester. Da gab es vollen Streicherklang, motorisches Vorwärtsdrängen, gewaltige Steigerungen zum Fortissimo mit Beckenschlag, dunkle, melancholische Moll-Stimmung mit kurzen Aufhellern oder erlösender Finalwendung zum lichten Dur, Wechsel von Dreier- und Vierertakt, geheimnisvolle Tupfer von Harfe, Klavier oder Celesta und einprägsame Horn- oder Trompeten-Soli, die über dem musikalischen Geschehen schweben. Die jungen Tonkünstler:innen haben all diese Elemente beherrscht und gekonnt verbunden.

Petra Heinze: Fiel Dir sonst noch etwas besonders auf?

Spannend fand ich es, wenn zusätzlich individuelle, charakteristische Kompositionsweisen erkennbar wurden. Das Beharren auf Chromatik und Dissonanz anstelle tonalen Wohlklangs bei Constantin Rinke, der Einsatz interessanter, aufsteigender Skalen bei Jannik Ost oder suchende, bis zuletzt unaufgelöst bleibende Melodiebewegungen bei Dmitry Klenin. Das dezidierte Spiel mit instrumentalen Klangfarben bei Clemens David Krauss oder mit den vielfältigen Ausdrucksfacetten einer Melodie bei Leon Maximilian Brueckner.

Petra Heinze: Die Philharmoniker verbindet ja mit dem Dirigenten Frank Strobel eine langjährige Zusammenarbeit in Sachen Filmmusik (siehe Interview https://kesseltoene.de/2630-2/). Merkte man das?

Ute Harbusch: Durchaus. Durch die raschen Charakterwechsel wurde den Musiker:innen ein schnelles Umschaltspiel abverlangt. So etwas wäre ohne die eingeübte Vertrautheit sicher schwerer umsetzbar gewesen. Strobel dirigierte deutlich und klar. Von einem Klappern in den Holzbläsern abgesehen, koordinierte er das extrem groß besetzte Orchester homogen und präzise.

Petra Heinze: Und wie haben die Philharmoniker agiert?

Ute Harbusch: Sie haben die Gefühlswelten der Musik ausgekostet, ohne die Details zu vernachlässigen. Es gab schöne Bläsersoli, satten, tiefen Blechbläsersound, Drive in den Ostinati und elegische Ritardandi. Mein Eindruck war: Das Orchester hat die Stücke wirklich ernst genommen. Denn neben der musikalischen Interpretation verdient ja bereits die Tatsache Anerkennung, dass die Philharmoniker ihre gesamte Organisation und Disposition zur Verfügung stellen, um die Werke der Nachwuchskomponist:innen in dieser riesigen Besetzung erklingen zu lassen.

Foto: Die glücklichen Komponist:innen mit Projektleiter Andreas Fuchs beim Schlussapplaus – Ute Harbusch


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