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Mitfiebern beim Finale des Wettbewerbs für Liedkunst

Lesezeit: 2 Minuten

Foto: Reiner Pfisterer

Das Finale ist der wohl schönste Teil des Internationalen Wettbewerbs für Liedkunst Stuttgart: Man erlebt fünf kompakte, abwechslungsreiche Liedprogramme auf hohem Niveau und darf, ja muss mit den Kandidatinnen und Kandidaten mitfiebern. Noch vor dem Urteilsspruch der Jury kann man seine persönlichen Gewinner küren und für sich entscheiden, wie man die Preisgelder von insgesamt 36.000 Euro verteilen würde.

Von Ute Harbusch

101 Paare, immer ein Sänger und ein Pianist gemeinsam, haben sich beworben, das sind mehr als je zuvor. Mit 26 Duos aus 21 Nationen wurden weniger Bewerber als sonst nach Stuttgart eingeladen, was der Corona-Logistik geschuldet sein mag. Und nur zwei Dutzend Zuhörer fanden neben der siebenköpfigen Jury unter Vorsitz von Brigitte Fassbaender Platz im Konzertsaal der Musikhochschule. Aber der gesamte Wettbewerb war auch digital zu verfolgen, sei es direkt im Livestream, sei es nachträglich in der Mediathek der Hugo-Wolf-Akademie, die schon vor dem Abstandsgebot auf die Digitalisierung ihres Wettbewerbs setzte. Das zahlt sich jetzt doppelt aus.

Jurymitglied John Mark Ainsley aus Großbritannien war angesichts der geballten Ladung von „Superhits of the Lieder“ froh um einen „day off“ am Vortag, um die Ohren fürs Finale zu reinigen. Vier selbstgewählte und vier von der Jury bestimmte Lieder waren jeweils vorzutragen, wobei die Juroren gezielt die Aspekte hervorlocken wollten, die bislang zu kurz kamen: das Dramatische, wenn die Darbietung der Vorrunden eher lyrisch war, das Stille und Langsame, wenn zuvor Charaktermusik im Vordergrund stand.

Dennoch hat jedes Künstlerpaar seinen eigenen, charakteristischen Zugang zur bewegenden Welt des Kunstlieds: schnell und energisch der Bariton Yuriy Hadzetskyy mit Alina Shevchenko am Klavier, sehnsüchtig-melancholisch der Tenor Ronan Caillet mit seinem Begleiter Malte Schäfer, hin- und hergerissen zwischen Grimm und Leid der Bariton Konstantin Ingenpass mit der Pianistin Hyun-Hwa Park.

Eine enorme Bandbreite der darstellerischen Fähigkeiten zeigte die Sopranistin Malgorzata Roclawska, präzise begleitet von Olga Wien. Mühelos wechselte sie die Rollen und die Register, ihre Stimme besaß einen klaren Kern, von dem sich doch ein Schimmer durch den ganzen Raum zu verbreiten schien. Hauchend-schön in der Tiefe, blühend in der Höhe, gestaltete sie ihre „Mignon: Kennst du das Land?“ auf ergreifend-visionäre Weise.

Ganz anders der runde, volle, erstaunlich reife Mezzosopran der mit Abstand jüngsten Sängerin, der nur 22-jährigen Ekaterina Chayka-Rubinstein. Getragen von Maria Yulins Begleitung, legte sie allen Ausdruck in die Stimme, spielte allenfalls dezent mit ihrer Mimik. Viel Nacht und Traurigkeit verströmte ihr dunkles Timbre, aber auch das Erzählerische des abgründigen „Feuerreiters“ gestaltete sie intensiv.

Ainsley macht sich keine Sorgen um diese Sängergeneration: „Corona hat ihnen zwar einen schwierigen Start ins Berufsleben beschert, aber jung wie sie sind, werden sie sich anpassen können“, ist er überzeugt. Das lässt hoffen für die Zukunft des Kunstlieds.

Tatsächlich wurden alle Finalisten mit Preisen ausgezeichnet. Die Aufteilung und alle Mitschnitte findet man unter https://www.ihwa.de/index.php/de/wettbewerb


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