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Umfrage: Was bedeuten die kommunalen Kürzungen für Sie?

Lesezeit: 3 Minuten

Am 19. Dezember 2025 hat der Stuttgarter Gemeinderat einen strikten Spar‐Doppelhaushalt für 2026/27 beschlossen. Von massiven Einschnitten sind auch die kulturellen Institutionen der Stadt betroffen. Petra Heinze fragte exemplarisch bei einigen Häusern nach, wie sie damit umgehen.

Die Fragen:

Die Antworten:

  • Alle Projekte konnten zum Glück über zusätzliche Spenden gesichert werden.
  • Dringend benötigte Tarifsteigerungen können nicht durchgeführt werden, ein allgemeiner Sparkurs betrifft sämtliche optionalen Betriebsausgaben. Mit einem Satz: Die Kürzungen betreffen vor allem die Menschen.
  • Wir kooperieren trotz eines nicht berücksichtigten gemeinsamen Antrags zum Doppelhaushalt mit den Stuttgarter Philharmonikern, um die Politik beim kommenden Doppelhaushalt von unserem Anliegen zu überzeugen. Zusätzlich entwickeln wir mit Hochdruck unsere auch kommerziell erfolgreichen Formate weiter, um Ausfälle zu kompensieren.

Markus Korselt, Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters (SKO) (Bild oben: Das SKO ist im vierten Stock der Bachakademie zuhause)


  • Laufende Projekte sind bis auf das internationale Festival Imaginale derzeit nicht betroffen. Obwohl die Imaginale vorwiegend durch das Land gefördert wird, konnte sie im bisherigen Umfang nur durch einen erheblichen Eigenanteil des Theaters realisiert werden. Sofern unsere Drittmittelakquise nicht erfolgreich ist, werden wir den Umfang nicht halten können.
  • Das FITZ arbeitet ausschließlich mit freien Theaterensembles, die im Verhältnis zu festen Institutionen ohnehin überdurchschnittlich stark belastet werden. Die derzeitige Subventionskürzung des FITZ führt zu einer Verringerung des Spielbetriebs, einer Anpassung der Aufführungshonorare, einer deutlichen Verringerung der Produktionsförderung, einer Verringerung der Druck- und Versandaktivitäten und damit zu Einbußen bei der öffentlichen Sichtbarkeit. Unserer Meinung nach droht durch die Doppellast aus direkten Projektmittelkürzungen und der Reduktion der Zuwendungen an die Häuser, die mit der freien Szene kooperieren, ein Rückgang freier Produktionen und eine Abwanderung von Künstler:innen aus Stuttgart. Förderentscheidungen enthalten hier eine kulturpolitische Dimension, die vielleicht noch nicht genug im Bewusstsein ist. Davon abgesehen beeinträchtigen die Kürzungen erheblich die strukturellen Entwicklungsmöglichkeiten. Investitionen zur Nachhaltigkeit des Betriebs sowie in die Entwicklung inklusiver Maßnahmen müssen wir bis auf Weiteres zurückfahren.
  • Die Kooperations- und Vernetzungsaktivitäten laufen schon immer auf hohem Niveau. Auch Produktionskooperationen mit anderen deutschen Theaterveranstaltern sind seit Langem Praxis und bergen wenig neue Möglichkeiten zur Kostenersparnis. Public-Private Partnerships halten wir angesichts der gesamtwirtschaftlichen Situation, der Heterogenität unseres Angebots, der traditionellen Fixierung auf das deutsche Stadttheatersystem und der begrenzten Betriebsgröße des FITZ für unwahrscheinlich.

Christian Bollow, Pressesprecher des FITZ Zentrum für Figurentheater


Die Neue-Musik-Institution Musik der Jahrhunderte plant und probt auf der Südseite des Theaterhauses

  • Wir mussten einiges umplanen, Uraufführungen streichen, haben stattdessen andere Projekte weiterentwickelt, konnten 2025 noch einiges einsparen, um mit dem Eclat Festival 2026 ein starkes Signal geben zu können. Ein Plädoyer dafür, wie wichtig Festivals für eine Kulturstadt sind, wie eine Gesellschaft davon profitieren kann.
  • 2027 wird es wesentlich schwieriger, weil ich nichts mehr vorfinanzieren kann.
  • Kooperationen prägen unser Programm seit jeher, mehr kann man nicht machen. Ob sich Public-Private Partnerships realisieren werden, kann ich jetzt noch nicht sagen. Pläne dafür gibt es natürlich.

Christine Fischer, Intendantin von Musik der Jahrhunderte


Die Stiftskirche ist Aufführungsort der Stiftsmusik und ihrer Konzertreihe „Stunde der Kirchenmusik“

  • Zum Glück nicht, da wir einen mitgliederstarken Förderverein haben, der die Finanzierungslücke vorerst schließen kann.
  • Die Planung zukünftiger Projekte wird durch die Kürzungen beeinflusst, etwa durch eine mögliche Erhöhung unserer Eintrittspreise. Wir hoffen jedoch, dass nichts wegfallen muss.
  • Zusätzliche Kooperationen gibt es bisher nicht, doch wir versuchen, bestehende Partnerschaften auszubauen.

Marie Kaufmann, Geschäftsführerin der Stiftsmusik


Fotos: Holger Schneider, Heinrich Hesse, Martin Sigmund und Pixabay.


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